Alte Kinderbücher - Wissenswertes über Else Ury und Magda Trott

Magda Trott

Die Pucki-Reihe (1935 - 1941)

 



1. Försters Pucki 1935

2. Puckis erstes Schuljahr 1935

3. Pucki und ihre Freunde 1936

4. Pucki kommt in die höhere Schule 1936

5. Puckis neue Streiche 1937

6. Puckis erster Schritt ins Leben 1937

7. Pucki wird eine glückliche Braut 1937

8. Puckis junge Ehe 1937

9. Puckis Familienglück 1938

10. Pucki und ihre drei Jungen 1938

11. Pucki unser Mütterchen 1939

12. Puckis Lebenssommer 1941

Die Bände sind heute noch vollständig, wenn auch in bearbeiteter Form, im Handel erhältlich, daher verzichte ich auf Inhaltsangaben der Einzelbände.

 

Die Mädchenbuchreihe um die Förstertochter Hedwig Sandler, genannt Pucki, ist die letzte Buchserie Magda Trotts, die zur Zeit des Schreibens 55 – 61 Jahre alt war und vier Jahre nach Abschluß der Arbeit 1945 verstarb.Nur wenig später erfolgte Ende der 40er Jahre die Bearbeitung durch den Titania-Verlag. Ähnlich wie in den Nesthäkchen-Bänden Else Urys wurden Ortsnamen geändert (ostdeutsche Städte wurden zu westdeutschen), die Sprache „modernisiert“ und ganze Passagen umgeschrieben, der achte Band wurde umbenannt in Pucki als junge Hausfrau.

Interessant an der Bearbeitung von Pucki ist, die völlige Tilgung aller Hinweise auf das Militär und den Krieg:

Magda Trott nennt immer wieder das Heer, läßt junge Männer das „Pflichtjahr“ ableisten oder erwähnt sie im aktiven Dienst. Zwei junge Frauen heiraten Offiziere, im Haus der erwachsenen Pucki werden in „Pucki unser Mütterchen“ Soldaten auf dem Durchmarsch einquartiert.In der 50er Jahre Ausgabe fehlen diese militärischen Bezüge: Soldaten werden zu Seeleuten und Handlungsreisenden, die einquartierten Soldaten zu einem Afrikaforscher und seinem farbigen Diener.

Es stellt sich die Frage, ob man die Kinder, die den Krieg teils noch selbst in Erinnerung hatten (davon konnte man 1950 bei Kindern ab 10 Jahren sicher ausgehen) etwa vor schlechten Erinnerungen bewahren, beziehungsweise die jüngste Vergangenheit vor jüngeren Kinder verbergen wollte, oder ob hier der typische Verdrängungstrieb der Kriegsgeneration zum Zuge kam, der die 12 Jahre der Hitlerdiktatur am liebsten ungeschehen aus der Geschichte löschen wollte. („Wir haben nichts gewußt... wir waren ja eigentlich auch dagegen... darüber weiß ich nichts mehr...“ )

Auch wenn begeisterte, jetzt erwachsene, Pucki-Leserinnen vielleicht wenig davon erbaut sind:

Die Pucki-Bücher sind heutzutage keinesfalls als Kinderlektüre zu empfehlen. Die immer noch auf den Einbänden so gelobte Pädagogik Magda Trotts ist nicht nur überholt, sondern steckt beim genaueren Hinsehen voller zeitlos abzulehnender Verlogenheiten und Realitätsverfälschungen. Hier nur einige Beispiele:

Als die kleine Pucki in den Kofferraum eines fremden Wages krabbelt, dort eingeschlossen wird und daher über nacht verschwunden ist, bis der Besitzer sie am nächsten Morgen findet, wird der Kleinen nicht nur zum Vorwurf gemacht, die Mutter mit ihrem ungezogenen Verhalten krank gemacht zu haben, sondern das plötzlich Auftauchen eines Schwesterchens auch noch mit: „wir haben uns ein neues Mädchen angeschafft, weil du fort warst“ begründet. Was ist wirklich passiert? Erwachsene Leser wissen es natürlich, heutige Kinder werden hoffentlich ebenfalls sagen „So ein Blödsinn! Die Mutter ist schwanger gewesen und hat in der Nacht das Kind bekommen, darum liegt sie auch noch im Bett, das hat nichts mit Puckis Betragen zu tun. Sicher haben sich die Eltern Sorgen gemacht, aber Pucki hatte schließlich auch große Angst in dem dunklen Kofferraum und macht bestimmt so etwas nicht wieder! Warum lügen die Eltern sie an? Das ist gemein.“Immer wieder werden „das blasse Stadtkind“ Rose – diese Bezeichnung wiederholt sich noch mit nervtötender Penetranz als Rose längst die dicke Bäuerin mit sieben Kindern ist – und das Naturkind Pucki gegenübergestellt. Magda Trott will damit die Schönheit und Reinheit des Landlebens der Häßlichkeit und Ungesundheit der Städte gegenüberstellen. Geschickt gemacht: ein relativ wohlhabendes Försterkind (Beamtenkind) und eine arme Halbwaise aus dem Arbeitermilieu. Stellen wir doch einmal Nesthäkchen Annemarie Braun (Arzttochter) aus Berlin dem Kind eines Knechtes oder Waldarbeiters gegenüber. Wie schön ist es nun plötzlich in der Stadt...Claus, Puckis Mann, gibt ihr gegenüber immer wieder vor, auf ihre Meinung wert zu legen und alle Entscheidungen gemeinsam mit ihr treffen zu wollen. Fällt der Leser nicht auf diese Aussagen herein, wird sichtbar, das Claus seine Frau in Wirklichkeit gängelt und bevormundet, sie mitunter wie ein Kind behandelt. Sie reagiert auch entsprechend: „hoffentlich war Claus nicht böse... was würde Claus dazu sagen?... Claus mit ihr nicht würde zufrieden sein... Claus würde sie sicher zurechtweisen.“ Die arme Pucki darf einfach nicht erwachsen werden.Vielleicht war Claus beim Erscheinen der Reihe in der Tat ein fortschrittlicher, moderner Mann. Immerhin spricht er mit seiner Frau überhaupt über wichtige Belange, anstatt gleich selbst alle Entscheidungen zu treffen. Dagegen wäre wieder einzuwenden, daß Magda Trott z.B. in Pommerle ein partnerschaftliches Mann/Frau-Verhältnis zeichnet, das mehr einer idealen Ehe entspricht, als Puckis Pseudoglück.

Außerdem bestärken die letzten Pucki-Bände ein spießbürgerliches, verkitschtes Mutter-Bild bei den jungen Leser/innen, welches sicher nicht von jungen Müttern heute gewünscht wird. Nach der Lektüre von „Puckis Familienglück“ könnte es durchaus passieren, daß eine arbeitende oder auch nur einem Hobby nachgehende Mutter mit „Mama, du bist keine gute Mutter, du vernachlässigst uns.“ konfrontiert wird. Kinder sind leicht manipulierbar und können selbst nur bedingt abwägen. Denn auch zur Zeit der Enstehung der Bücher waren arbeitende Mütter nichts Ungewöhnliches: man denke nur an die vielen Frauen, die mit Handarbeiten, Waschen und Putzen „etwas dazuverdienten“ – ohne diese Arbeit wäre so manche Familie nicht über die Runden gekommen! Eine Nur-Hausfrau war damals nur im gehobenen Mittelstand Realität. Und genau in diesem Milieu spielt die Reihe. Auch wenn Magda Trott immer wieder mit Phrasen wie „wir müssen sparen“, „diese Ausgabe muß genau überlegt werden“ etc. diese Tatsache verwischt. 

 

Tipp: Die Bände sind unterschiedlich oft in den Originalausgaben des Anton-Verlags zu finden, vor allem der letzte Band ist sehr selten, da wohl geringere Auflage bei Erscheinen. Bei www.zvab.de , www.antbo.de oder www.justbooks.de suchen, es sind immer Bände vorrätig.

 

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